| Meine erste Einhandtour führte mich
1997 in die Schlei. Ich kannte diesen tief in die Schleswig-Holsteinische
Moränenlandschaft einschneidenden Meeresarm schon von vielen Motorrad- und
Autotouren von Kiel aus. Die Schlei ist wunderschön, sehr geschützt
und locker innerhalb eines Tages von Kiel aus zu erreichen; sozusagen das
ideale Gewässer für Einhand-Anfänger. |
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| GUSTAV, einen 5,50 m langer Kimmkieler, hatte ich seit
1993. Ich hatte ihn in Kiel gekauft, ins Wasser kam er aber erst nach einer
Fahrt über die buckligen Mecklenburger Landstrassen, und fand schliesslich
in Warnemünde im toten Warnow-Arm hinter der Klappbrücke eine neue
Heimat. Dort wurde er bis 1997 zweimal aufgebrochen und seines Aussenborders
beraubt. Es war trotzdem eine sehr schöne Zeit. An den Wochenenden, wenn
es warm war und die Sonne schien, klappte ich den Mast runter um unter der
Brücke durchzukommen, und fuhr zum Yachthafen, wo ich den Mast wieder
stellte und das Boot segelklar machte. Dann segelte ich einige Seemeilen vor
der Küste hin und her, oder ich ankerte vor dem hohen Stoltera-Ufer, um zu
lesen, zu baden, zu dösen, oder einfach nur aufs Meer zu gucken. Oder die
Wochenend-Törns zum einsamen und verwilderten Anleger Schnatermann am
Ostufer des Breitling. Das gehört zu meinen schönsten Erinnerungen an
Warnemünde. |
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 Am Schnatermann |
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Ein Highlight war auch der Besuch der
"Queen Elisabeth II", des grössten Passagierschiffs der Welt. Wie ein
riesiger Felsen lag es 2 sm vor Warnemünde vor Anker. Neben diesem Koloss
schrumpften die Dänemark-Fähren zu Bötchen. Hunderte von Yachten
und Motorboote aller Größen umschwärmen das riesige Schiff wie
Fliegen einen Kadaver.
Im Frühjahr 1997 wechselte ich dann nach
Büsum, bezog aber in Kiel meine Hauptwohnung in Kiel, da ich von
Donnerstag abend bis Montag früh ein verlängertes Wochenende hatte,
einen wöchentlichen Mini-Urlaub. GUSTAV bekam einen Liegeplatz in der
Marina Wendtorf, ein sehr schöner Platz, wenn man mal von der
grässlichen Architektur absieht. Dort wagte ich mich zunächst auch
nicht weiter als bis zum Kieler Leuchtturm und in die innere Förde. Im
Sommer dann wollte ich aber meinen ersten echten Einhand-Trip wagen: was lag da
näher als die Schlei.
Am Samstag, dem 9. August ging es los. Mit Olaf und Maike war ich
am Abend in Arnis verabredet. |
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9. August Marina Wendtorf - Arnis
Erster Tag, gemächliches Segeln bei 3 Windstärken aus Ost,
über die Förde jedoch eingeschlafen. Bei Bülk den Motor
angeworfen, da der Speed unter 3 kn fiel. Ab Mtte Eckernförder Buch wieder
gesegelt, zunächst mit 3-4 kn, später bei auffrischendm Wind mit gut
4-5 kn. Vorbei an der Bohrinsel Schwedeneck B auf Nord gegangen, die Sperr- und
Warngebiete rechts gelassen. Schleimünde rein unter vollen Segeln mit
Rückenwind. Sofort merke ich die Hitze und den tierischen Sonnenbrand, den
ich mir auf den 25 sm seit Wendtorf geholt habe. Im Pulk zusammen mit 10.000
Schiffen die "Autobahn" entlang vorbei an Maasholm. Segel runter, Motor an. An
der Drehbrücke von Kappeln bin ich um 17:15. Da die Brücke erst um
18:00 aufmacht, lege ich an die hohe Spundwand an und genehmige mir ein Eis. Um
halb sieben mache ich in Arnis fest. Von Olaf und Maike keine Spur, sie trudeln
erst gegen 20:30 ein. Wie verholen die Boote, dann gehen wir an der Schlei
spazieren. Danach bei mir gekocht, Rotwein satt.
Arnis nennt sich
selbst "die kleinste Stadt Deutschlands". Tatsächlich eher so gross wir
ein Dorf, eine Hauptstrasse, daran aneinandergereiht die Häuser. Arnis
liegt auf einer Halbinsel zwischen der Schlei und dem Arnisser Noor, an dessen
Ufer neben dem Yachthafen auch zwei Werften liegen. Das Ufer an der Schlei ist
sehr romantisch, und die Grabsteine auf dem Kirchfriedhof bezeugen, dass in den
letzten Jahrhunderte viele Seeleute aus Arnis auf allen Weltmeeren um ihren
Lebensunterhalt und oft auch ums blanke Überleben kämpften.
Am
nächsten Tag mussten Olaf und Maike zurück nach Kiel, und ich
begleitete sie die Schlei hoch bis Maasholm. Wie immer um diese Jahreszeit
fuhren wir im Konvoi mit dutzenden anderer Boote Richtung Ostsee. Kurz vor
Maasholm biege ich ab ins Wormshöfer Noor. Vorbei am kleinen Noorhafen von
Maasholm biege ich nach Osten in die Bucht ein und taste mich langsam vorbei an
ankernden Booten und Stellnetz-Fähnchen and Ufer heran. Der Anker
fällt etwa 100 m vom Ufer entfernt auf 2 m Wassertiefe. |
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10. August Arnis - Wormshöfer
Noor Morgens nach gutem Frühstück zusammen mit Olaf und
Maike aufgebrochen. Ein tierisch heisser Tag bei schwachem Ost-Südostwind.
In Kappeln kurz festgemacht um auf die Brücke zu warten; Eis und
Ansichtskarten gekauft. Kurz vor Maasholm links abgebogen ins Wormshöfer
Noor, dort am Ostufer geankert. Im Norden der winzige Hafen von Exhöft, im
Süden Maasholm. Viele andere Ankerlieger, viel zu sehen. Schönes Ufer
an der gegenüberliegenden Seite des Noors. Hatte die Petroleumlampe als
Ankerlicht vorbereitet, aber alle anderen setzten auch kein Licht, also habe
ich es auch gelassen. Abends und nachts sehr schöne Beobachtungen mit dem
Fernglas gemacht. Baden gegangen, Krabbensuppe gegessen.
Der dritte
Tag war wieder sehr heiss. Es ging ins Lindauer Noor. |
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 Am Ostufer des Wormshöfer Noor |
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11. August Wormshöfer Noor -
Lindauer Noor Mittags aufgebrochen. Unter Motor bis Kappeln, da
Boot segelklar gemacht, Brücke um 12:00 genommen. Danach weiter nur unter
Genua: viel einfacher zu bedienen und notfalls zu bergen, ausserdem keine Eile.
Zunächst bis Arnis bei 2 kn gekrochen, danach zwischen Arnis und Sieseby
bei 3-4 kn. Schönes gemächliches dahinsegeln, allerdings bei
wahnwitziger Hitze. Ich musste mir wie ein Araber ein Tuch um den Kopf binden
um keinen Hitzeschlag zu bekommen. Kurz vor der Klappbrücke Lindaunis
frischte der Wind auf gute 5 auf , das Segelbergen vor der Brücke wurde
daher etwas hektisch. An der Festmachboje 1 h auf die Brückenöffnung
gewartet. Dann rechts ab ins Lindauer Noor, vorbei am Campingplatz. Am Ostufer
gegenüber der kleinen Linauhof-Marina vor Anker gegangen. Sehr schön
am Schilfufer und einem kleinen Wäldchen und Hügel mit Kornfeldern
und Wiesen. Im Wasser die ersehnte Abkühlung, trotz grüner
Algensuppe. Wassertiefe nicht tiefer als 1.50 m, konnte stehen neben GUSTAV.
Das Sonnensegel leistet unschätzbare Dienste, wäre sonst nicht
auszuhalten.
Das Lindauer Noor ist bestimmt eine der schönsten
Buchten der Schlei. Sehr flach, deshalb nur von flachgehenden Booten anlaufbar,
d.h. höchstens 1 m. Man liegt am sanft ansteigenden Ufer, geschützt
von kleinen Wäldchen, die direkt ins Wasser ragen. Am
gegenüberliegenden Ufer ist ein schräges Häuschen hinter
Büschen versteckt, wie aus dem Märchen. Das Lindauer Noor ist ein
kleines Paradies. |
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12. August Ankertag Lindauer
Noor Baden, faulenzen, lesen (Hawking`s "Einstein`s Traum":
abgefahrene Gedanken zur Vorhersagbarkeit auf verschiedenen Skalen; Dava
Sobel's "Längengrad" in einem Rutsch durchgelesen: das spricht eigentlich
für sich). Es herrscht eine Affenhitze, und es soll noch heißer
werden. Im Radio werden Leute an ihrem Arbeitsplatz interviewt, wie sie es
schaffen bei dieser Hitze ihre Arbeit zu erledigen. Ich hör's mir an und
nehme im Noor eine kleine Abkühlung. Zurück im Boot geniesse ich den
leichten Luftzug der durch die Tunnelwirkung meines Sonnensegels durchs Cockpit
streicht. Das Boot ist mein Universum, mein Uterus. Ich bin ständig nackt.
Für heute nacht ist ein Meteorschauer angesagt!! |
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 Im Bauch von GUSTAV |
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Das Leben an Bord ist sehr bequem und angenehm, und wegen des
Wetters auch nicht zu eng. Zum Segeln ist es aber eigentlich zu heiss, da man
ständig in der Sonne ist. Trotzdem will ich morgen weiterziehen, vorher am
Campingplatz einkaufen. Die einzige logistische Schwierigkeit ist die
Scheisserei. Ich nehme den roten Eimer, halb mit Wasser gefüllt. Die
Exkremente gehen den Weg allen Irdischen, das Klopapier wird jedoch als
Sondermüll in einer Plastiktüte gesammelt und an Land entsorgt.
Dieses Verfahren mag etwas archaisch anmuten, ist aber auf so einem
kleinen Boot, zumal bei diesem Wetter, die einzige Lösung. Da ich das
einzige Boot im Noor bin, der Natur durchaus zuzumuten. |
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13. August Lindauer Noor - Ostufer
Große Breite Gegen Mittag im Lindauer Noor aufgebrochen.
Beim Losfahren einen kurzen Schlag am Ruder gespürt, dann aber alles OK.
Kurzer Zwischenstopp am Campingplatz, geduscht, aber der Laden war zu. Weiter
nach Süden in brütender Hitze ohne nennenswerten Wind unter Motor.
Südöstlich der kleinen Insel Kieholm, nördlich der alten
Königsbucht zwischengeankert. Theoretisch ein schöner Platz, jetzt
jedoch zu viele Motorboote, der hässliche Campingplatz direkt
gegenüber. Nach 1h Anker gelichtet, weiter durch die Missunder Enge in die
Große Breite. Der Schleswiger Dom ist in Sicht. Am Steilufer der
Ostküste geankert, nördlich von Wieseby. Viele andere Boote, aber
viel Platz. Unterm Sonnensegel ist es gerade so auszuhalten, der definitiv
heisseste Tag bisher. Selbst die lauen Lüftchen, die sich ab und zu mal
bequemen zu gehen, scheinen aus einem Backofen zu kommen. Ich hoffe auf
kühleres Wetter in den nächsten Tagen. Es könnte ruhig mal
regnen und etwas mehr wehen. Ich werde übermorgen oder so ein oder zwei
Tage Kulturprogramm in Schleswig einschieben. Altstadt - Museum Schloss Gottorf
- Wikingermuseum Haithabu. Morgen soll der Wind auf West - Nordwest gehen -
vielleicht ein Anfang. Allerdings soll es heiss bleiben. Vom Ankerplatz sehr
schöner Panorama-Blick nach Schleswig, zum Yachthafen Fleckeby, zur
Schrader Marina und zum Schloss Louisenlund, dem berühmten Internat
für höhere Töchter und Söhne. Am Abend wie auf dem
Hubschrauberlandeplatz. Tausende von Speedboats mit kreischenden Kids im
nachgeschleppten Gummireifen. Wasserskifahrer fahren Slalom um die ankernden
Boote. Bin stinksauer, muss aber erkennen, dass dies eine ausgewiesene
Wasserski-Zone ist. Grmpf!
Die Große Breite ist die einzige
wirklich freie, seeartige Fläche der Schlei, noch dazu ganz nah an der
"Großstadt" Schleswig. Klar, dass dies das Schleswiger Hausrevier ist,
und zwar nicht nur für Segler, sondern für Wassersportler aller Art.
Der gesame östliche Teil ist Wasserskigebiet. An den Wochenenden ist hier
naturgemäss viel los. Aus Schleswig kommen richtige Ausflugsdampfer mit
dutzenden kreischender Kids, die nacheinander von hochmotoirisierten
Schlauchbooten auf Skiern oder in Reifen durchs Wasser gezogen werden. Erst
lange nach Sonnenuntergang werden die Anker gelichtet und es geht zurück
nach Schleswig. |
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14. August Ostufer Große Breite -
Stexwig Heute vormittag totale Flaute, zum Abhängen und und
Faulenzen genutzt. Nachmittags dann auffrischender Westwind auf ca. 4, ideal
zum Segeln. Gegen 15:00 raffe ich mich auf und lichte den Anker. Unter Segeln
kreuze ich gegenan mit 4-5 kn. Ankerleine und Genuaschot kommen sich in die
Quere, ich muss nach vorne zum Entwirren. Alles sehr ruhig und unhektisch. Kurz
vor der Stexwiger Enge rechts raus zum Ankern vo der Halbinsel Reesholm.
Geschützt vor dem angesagten West-Nordwest. Morgen entgültig
Schleswig. |
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Ich ging ins Wasser und konnte neben GUSTAV stehen. Ich versuchte
die Kamera nicht naß zu machen und machte einige Fotos von GUSTAV. Von
Westen zog der Himmel immer mehr zu. Von den 6 anderen Ankerliegern lichtet
einer nach dem anderen den Anker. Ich beginne zu zweifeln, ein Gewitter vor
Anker ist kein sehr angenehmer Gedanke.
19:30 - der Wind hat noch
aufgefrischt auf 4-5 aus West. Ebenfalls aus West aufkommende Bewölkung,
die Sonne versinkt in einem trüben Schleier. Ich weiss nicht ob das ein
Geitter werden will, aber ich glaube ich bleibe hier, denn der Anker sollte
halten, egal was da kommt. Es sind noch 6 andere Boote hier, die offensichtlich
auch die Nacht vor Anker verbringen wollen. 20:30 - Ich bin doch geflohen - in
den kleinen Yachthafen von Stexwig. Die anderen haben sich einer nach dem
anderen aus dem Staub gemacht. Habe einen freien Platz gefunden, gut
geschützt, soll jetzt kommen was da will. Aus Westen kommt es immer
bedrohlicher. |
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Der Stexwiger Hafen ist ein langer Schlauch, mit Boxen auf jeder
Seite. Ich mache an der Ostseite fest, etwa in der Mitte. Leider gibt es keine
richtigen sanitären Anlagen, aber dafür eine Freiluftdusche mit Blick
über die Schlei. Vom Hafenmeister keine Spur. |
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15. August Stexwig - Stadthafen
Schleswig Hätte gestern getrost draussen bleiben können,
ist absolut nix passiert. Wahrscheinlich wäre erst ein echter Sturm in der
Lage, den Anker aus dem Schlickgrund loszureissen, wenn er sich erst mal
eingegraben hat. War aber gut so. Heute morgen direkt am Strand geduscht mit
Blick über die Grosse Breite. Wirklich schön. Unter Motor gegenan
nach Schleswig. Festgemacht im Stadthafen direkt unterm Speicher und
Hafenmeisterbüro/Cafe/Restaurant/Dusche/Klo; also günstig aber
exponiert. Dank meiner Sonnenplane habe ich aber eine perfekte
Privatsphäre. Spaziergang durch Schleswig - eine wirklich und wahrhafig
schöne Stadt! Man hat das Gefühl, dass die Leute ein Gefühl
für Schönheit haben, im Gegensatz zu vielen anderen Städten an
der Nord- und Ostsee. Erinnert etwas an Flensburg, liegt das vielleicht am
dänischen Einfluss? Die Stadt macht den Eindruck einer lebenswerten Stadt,
in der freundliche Menschen ihr Leben geniessen. Ein Hauch von Kultur ist hier
spürbar. Ein kühles Weizenbier im Biergarten - köstlich bei
diesem warmen Sommerwetter. |
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16. August Stadthafen
Schleswig Heute Hafentag mit Kulturprogramm. Nach
ausführlichem Frühstück (Sonne mal wieder viel zu heiss) gegen
Mittag Richtung Schloss Gottorf gewandert. Für 10 Mark Ticket für das
gesamte Programm gekauft (Barock, Steinzeit, etc. bis hin zur Modernen Kunst).
Leider nicht alles geschafft; "Italien vor den Römern" und "Kunst des 20.
Jahrhunderts" fehlen noch. Mögliche Szenarien für morgen: rüber
in den Haddeby- Yachthafen. Haithabu-Museum, dann rüber in den
Wiking-Yachthafen und wieder zum Gottdorf-Museum - oder umgekehrt. Ist
jedenfalls nicht schlecht mal wieder rumzulatschen. Auf einem
5-einhalb-Meter-Boot ist die Bewegungsfreiheit doch etwas
eingeschränkt. |
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 Typische Schleilandschaft |
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17. August Stadthafen Schleswig - Wiking
Yachthafen Ein weiterer Tag mit Kulturprogramm. Zunächst
rüber nach Haddeby, von dort ist es ein 10-minütiger Spaziergang zum
Wikinger-Museum Haithabu. Das Mauseum erinnert stark an die "Visitor Centers"
in den National Parks der USA - sehr gut gemacht. Traumhafte Lage direkt am
Haddebyer Noor, das heute keine schiffbare Verbindung zur Schlei mehr hat.
(ausgenommen Ruder- und Paddelboote). Das Noor selbst ist absolut
naturbelassen. Nicht die Spur einer Bebauung an den Ufern, wenn man vom Museum
aus blickt. Man kann sich in dieser Landschaft sehr gut vorstellen, wie die
Wikinger in ihren Schiffen langsam ins Noor eingelaufen und dort vor Anker
gegangen sind oder an der Pier von Haithabu angelegt haben. Bestimmt der
idyllischste Ort an der Schlei.
Das Wikinger-Museum von Haithabu ist
ein absolutes Highlight eines jeden Schlei-Törns. Man wird
zurückversetzt in die Zeit von ca. 1200 Jahren, als Haithabu (das heutige
Schleswig entstand erst später) das wirtschaftliche Zentrum Nordeuropas
war. Die Wikinger, deren Reich von etwa 800 - 1000 n. Chr. das gesamte
Nordeuropa umspannte, nutzten den Ort am Scheitelpunkt der Schlei als
Drehscheibe ihrer Handelsverbindungen. Über die Schlei war man schnell in
der Ostsee, und die Verbindung zur Nordsee wurde über die Treene und Eider
hergestellt. Dabei machte man sich nicht die Mühe, die Güter vom
Schiff auf Landfahrzeuge umzuladen, die Wikinger schafften kurzerhand ganze
Schiffe die paar Kilometer von Haithabu bis zur schiffbaren Treene und
zurück. Die Schiffe wurden über Baumstämme gerollt. Dies war
sowohl schneller als auch sicherer als der gefährliche Seeweg um Skagen
herum. Haithabu war nach damaligen Maßstäben eine Großstadt;
heute kann man auf der flachen Wiese mit Phantasie gerade noch deren Umriss
erkennen, ein Halbkreis von etwa 200 Metern Durchmesser, direkt am Ufer des
Noors.
GUSTAV verholt in den Wiking-Yachhafen am Fuß des
Wohnturms, einer typischen Hinterlassenschaft der 70er-Jahre-Architektur,
wirklich hässlich. Ansonsten ist der Hafen eine gute Groß-Marina.
Nochmal Schloss Gottdorf. Sitze jetzt wieder im Cockpit, mit netten Nachbarn,
einer Familie mit etwa 10m-Schiff. Im Vergleich zu GUSTAV wirkt jedes Schiff
riesig und man ist immer "unten". Das Boot schräg gegenüber aber
erregte mein höchstes Interesse: eine Jolle mit einer jungen
internationalen Besatzung; 3 Mädels, etwas 20-30 Jahre alt, 2 Typen, einer
davon Deutscher, der andere Italiener, offensichtlich der Skipper. Von den
Mädels eine Italienerin und eine Asiatin, alle dem Wetter entsprechend
gekleidet mit leichten, im Wind wehenden Kleidern; die Asiatin mit aufreizend
kurzem Rock. Ich musste sofort an Kitty denken aus "Mond über Manhattan".
Sie lachten und unterhielten sich auf deutsch, englisch und italienisch, eine
erotische Spannung war über die Stege hinweg spürbar. Nun sind sie
weg und ich sitze hier mit meinem Tagebuch, einhand. |
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18. August Wiking Yachthafen - Lindauer
Noor Der Scheitelpunkt meiner Reise ist erreicht. Die
Rückreise ist in Angriff genommen. Nach Duschen und Frühstück
kurzer Abstecher zum Schleswiger Stadthafen zum Einkaufen, dann Segel gesetzt.
Zunächst amerikanisch gesegelt (gegenan), in der Große Breite dann
zeitweise den Motor ausgemacht, und gegenan gekreuzt. Hervorragend hat sich
hier bemerkbar gemacht, die Genuaschot nicht über die Holepunkte der
Leitschiene zu fahren (zu weit vorne), sondern über die achterlichen
Umlenkrollen am Cockpit. Deutlich besserer Stand der Genua, hat sich auch
sofort in Speed umgesetzt: teilweise 6 kn am Wind (laut Log)! Habe wieder im
Lindauer Noor geankert, schön einsam.
Da ich keinerlei
Regatta-Ambitionen habe und eher ein gemütlicher Schönwettersegler
bin (ich definiere Segeln eher als "Segel in den Wind halten und sich von ihm
treiben lassen"), setzten sich technische Verbesserungen, was seglerische
Effizienz und Speed angeht, auf GUSTAV eher schleppend durch. Den Tip mit dem
nach hinten versetzten Fockschot-Holepunkt bekam ich schon zu Warnemünder
Zeiten, also bereits vor Jahren. Dagegen werden Verbesserungen im
Komfortbereich auf GUSTAV recht schnell umgesetzt.
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19. August Lindauer
Noor Ankertag, morgentliches Bad, rumhängen, Radiohören,
lesen. Es ist nicht mehr ganz so heiss wie in den letzten Tagen und teilweise
bewölkt, allerdings fast windstill. Habe mal wieder Glück mit dem
Ankerplatz: keine 100 m entfernt am Ufer reisst ein Traktor mit einem Pflug die
Erde auf und hinterlässt eine braune Fläche. Es sieht aus als
würde dem Hügel die Haut abgezogen, kein schöner Anblick, und
höllisch laut. Aber mir fehlt wohl das Verständnis für
landwirtschaftliche Sachzwänge. Meine nächsten Projekte fürs
Boot: |
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- Ösen am Mast um Spinnakerbau an der
Vorderseite zu befestigen.
- Öse an Baumunterseite für
Baumniederholer (Talje)
- Fockfall verlängern (Vorsegel
lässt sich nicht ganz runterziehen)
- Kleine Rolle an der Baumnock für
Unterliekstrecker
- Am Mast: Cuningham - Vorliekstrecker,
Lümmelbechlag Baum - Schraube auswechseln
- Doppeltes Vorstag
- Smeerreep mit Beschägen
- Fallen ins Cockpit umlegen
Man macht sich schon so seine Gedanken wenn man Langeweile
geniesst.
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20. August Lindauer Noor -
Wormshöfer Noor Ein phantastischer Segeltag! Von der
Klappbrücke Lindaunis bis Arnis gesegelt bei Ost 4-5, d.h. gegenan
gektreuzt; dabei laut Log teilweise 6 k gelaufen! Dabei 24 Fuß-Yacht
versägt. Die war zwar auf gleichem Kurs geringfügig schneller, aber
ich konnte mehr Höhe laufen, wodurch ich am Ende 1-2 Kreuzschläge
gespart habe. Sollte doch der Regattatrieb in mir geweckt worden sein? Von
Arnis bis Kappeln amerikanisch, ab Kappeln nur mit Motor. Hinter der Ecke, wo
es auf die lange Gerade nach Schleimünde geht, bekomme ich die 5 aus Ost
voll ins Gesicht. Selbst unter Vollgas sind nur 4 Knoten zu machen. Ich ankere
im Wormshöfer Noor, genau wie am 2. Tag. Sehr schön, das Wetter ist
phantastisch: sonnig ,warm und windig. Wahrscheinlich bleibe ich morgen noch
hier und segle erst am Freitag zurück; morgen soll es wieder schön
werden. Und die Aussicht, im Auto bei brütender Hitze im Stau zu stehen
reizt mich nicht besonders. Ich hoffe nur, dass der Wind so bleibt und nicht
auf Süd - Südost dreht. Ost 4 ist zu Zurückfahren ideal. Wenn
der Wind so bläst wie heute, ist die Fock dran!
Später am
Abend kamen dann erste Meldungen über einen Wetterumschwung: evtl.
wäre morgen der letzte schöne Tag mit angenehmen Winden. Ich
hörte morgens den Wetterbericht ab und entschloss mich zur sofortigen
Heimfahrt, was sich als einzig richtige Entscheidung herausstellen
sollte. |
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21. August Wormshöfer Noor - Marina
Wendtorf Heute morgen zunächst nach Maasholm, Toilette &
Sanitär; das Wetter im Hafenbüro verkündete dasselbe wie NDR 2:
Ost-Südost 4. Entscheidung gefallen zgunsten sofortiger Rückreise.
Vor Schleimünde ziemlicher Seegang, bin ca 15 Min. gegenan gemotort um
genügend Seeraum für die Segelmanöver zu haben. Dann Fock und
ungerefftes Groß gesetzt. Fock zunächst für zu klein gehalten,
aber ab Damp war klar dass die Genua zu groß gewesen wäre. Unter
Fock und Groß kostant hoch am Wind 5-6 kn. Ab Damp querab konnte ich
etwas höher an den Wind gehen, so dass ich zwischen beiden Bohrinseln
durchsegeln konnte. Allerdings hat es nicht ganz über die
Eckernförder Bucht gereicht, ich musste vor Stohl/Steilüste
Dänisch Nienhof einen Schlag nach Nordost machen, etwa bis zur Tonne
Stollergrund-N. Von da aus ganz hart am Wind nach Südost, Kurs haargenau
in die Einfahrt Marina Wendtorf. Vor der Kieler Förde frischte der Wind
unangenehm auf 5-6 auf, und das Segeln wurde immer holpriger und nasser. Ich
hätte eigentlich das Groß reffen sollen, aber das wäre nicht so
einfach gewesen allein. Es ging auch so noch. Bin dann ohne Probleme in
Wendtorf eingelaufen und angelegt um 16:30; reine Fahrtzeit Maasholm - Wendtorf
5h 30 min. für laut Log 25 sm; das macht einen Schnitt von knapp 5 kn, und
das kann sich durchaus sehen lassen! |
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22. August Nachtrag Es war
eine weise Entscheidung, gestern zu segeln: Heute bedeckter Himmel und
regnerisch, mit schwachen westlichen Winden. Somit hatte ich unglaublicherweise
vom ersten bis zum letzten Tag NONSTOP SONNE!!! |
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